Bremer Bräuche und Traditionen

05.01.2026

Bremer Bräuche und Traditionen – zwischen Hanse, Humor und Handschlag

Bremen ist klein, aber traditionsbewusst. Wer hier lebt oder zu Gast ist, merkt schnell: In der Hansestadt werden Bräuche nicht nur gepflegt, sondern gelebt – oft mit einem Augenzwinkern, klaren Regeln und viel Sinn für Gemeinschaft. Viele dieser Traditionen reichen Jahrhunderte zurück und verbinden bis heute Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft. Ob festliche Mahlzeiten, symbolische Rituale oder streng gehütete Zeremonien: Bremens Bräuche erzählen Geschichten von Weltoffenheit, Kaufmannsgeist und zum Teil auch norddeutschem Humor.

Die drei bekanntesten und zum Teil etwas kuriosen stellen wir euch hier einmal vor.

Die Bremer Eiswette – Wettstreit an der Weser

Die Bremer Eiswette ist wohl einer der bekanntesten Bräuche der Stadt. Seit 1829 wird jedes Jahr am 6. Januar gewettet, ob die Weser zugefroren ist oder nicht. Klingt einfach, aber so einfach ist es dann auch wieder nicht.

Der Überlieferung nach begann alles im November 1828, als sich 18 Herren aus gutem Hause auf eine ziemlich frostige Wette einließen: Würde die Weser bis zum 4. Januar 1829 noch vor Sonnenaufgang zugefroren sein oder nicht? Der Einsatz war ebenso einfach wie verlockend: ein gemeinsames Kohlessen. Die Idee kam an, und so wurde die Wette zur Tradition, die bis heute jedes Jahr neu aufgelegt wird.

Seit 1928 findet die Eiswettprobe stets am 6. Januar um 12.00 Uhr Mittags am sogenannten Punkendeich statt – natürlich begleitet von einer festlichen Zeremonie. Der Name klingt heute etwas ungewöhnlich, hat aber historische Wurzeln: „Punken“ war im 18. Jahrhundert eine gebräuchliche Bezeichnung für die Prostituierten, die damals an der Stelle des heutigen Osterdeichs auf Soldaten warteten.

Zentraler Akteur bei der Eiswette ist ein Schneider, der symbolisch prüft, ob er trockenen Fußes und mit einem heißen Bügeleisen in der Hand, über den Fluss gelangen könnte. Dazu gehört auch, dass er bei dem Test alles in allem nur 99 Pfund wiegen darf. Das Gewicht wird vom Medicus Publicus vor den Augen aller Anwesenden geprüft. Heute ist das Ganze natürlich ein Ritual mit viel Humor, historischen Kostümen und festen Regeln. Auch die Heiligen Drei Könige sind anwesend. Sie gehören ja schließlich zum 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, dazu. Der Schneider kommt traditionell immer zu spät und zieht in unterhaltsamer Weise über das Weltgeschehen, Kultur und Politik her.

Die Eiswette gilt zugleich als Auftakt des gesellschaftlichen Jahres in Bremen und bringt Vertreter_innen aus Wirtschaft, Politik und Kultur zusammen. Tradition trifft Netzwerkpflege – eben typisch Bremen.

Am dritten Samstag im Januar findet das traditionelle Eiswettfest statt, das mit zur Eiswette gehört. Dort kommen rund 800 Gäste zusammen. Bei traditionellem Kohl-und-Pinkel-Essen wird nicht nur ausgelassen gefeiert, sondern auch fleißig für einen guten Zweck gesammelt: zugunsten der Seenotretter (DGzRS). Bereits seit 1928 gehören die Spenden für die DGzRS fest zum Eiswettfest dazu.

Die Seenotretter sind rund um die Uhr und bei jedem Wetter im Einsatz, um Menschen aus Seenot zu retten. Mit etwa 200 hauptamtlichen Mitarbeitenden und rund 800 freiwilligen Helferinnen und Helfern sind sie auf Nord- und Ostsee unterwegs und dabei fast vollständig auf Spenden angewiesen. Die größte Einzelspende des Jahres kommt traditionell vom Eiswettfest.

Ein Selbstläufer ist dieses Fest allerdings nicht. Logistisch gesehen ist das Eiswettfest eine echte Herausforderung: Ein mehrgängiges Menü, zahlreiche Reden, die große Spendensammlung, Ehrungen der Jubilare, die Aufnahme neuer Mitglieder sowie Musik und Kabarett müssen zwischen 14.30 und 22.30 Uhr perfekt ineinandergreifen. Der Zeremonienmeister wacht dabei mit Argusaugen über den Zeitplan und kennt keine Gnade.

Wer beim Fest darauf wettet, dass die Weser zugefroren ist und wer dagegenhält, entscheidet übrigens jedes Jahr das Los. Denn streng genommen war die Weser zuletzt 1947 wirklich komplett zugefroren. Aber Tradition ist eben Tradition – und so wird Jahr für Jahr aufs Neue geprüft, ob die Weser diesmal vielleicht doch Eis angesetzt hat.

Die Schaffermahlzeit – das älteste fortbestehende Freundschaftsmahl der Welt

Etwas exklusiver und legendärer ist die Schaffermahlzeit, die ihre Wurzeln im Jahr 1545 hat. Sie gilt als das älteste regelmäßig veranstaltete Festmahl der Welt.

Jedes Jahr am zweiten Freitag im Februar findet die Schaffermahlzeit in der oberen Rathaushalle statt. Ursprünglich war sie nach dem Winter ein Abschiedsessen für die Kapitäne, das von den Kaufleuten organisiert wurde, bevor die Schiffe wieder auf große Fahrt gingen. 1545 wurde die Arme Seefahrt, eine Art Stiftung bzw. Sozialkasse, gegründet. Daraus ging später das Haus Seefahrt hervor, das heutzutage seinen Sitz in Grohn (Bremen-Nord) hat. Nach dem Essen wurde immer schon Geld gesammelt, um die Hinterbliebenen der Seeleute finanziell zu unterstützen. Gleichzeitig bekamen pensionierte Kapitäne auch eine Art Rente aus dieser Kasse. Heutzutage werden auch Studierende der Hochschule Bremen, die etwas im Bereich Nautik/Seefahrt studieren, vom Haus Seefahrt unterstützt.

Der Ablauf der Schaffermahlzeit ist immer gleich. Die Folge der Menüs und der Reden ist streng geregelt. Alles ist sehr traditionsbewusst. Die Speisekarte lautet wie folgt: 1. Gang: Bremer Hühnersuppe, 2. Gang: Stockfisch, Senfsauce, Salzkartoffeln, 3. Gang: Seefahrtsbier, 4. Gang: Braunkohl, Pinkel, Rauchfleisch, Maronen, Bratkartoffeln, 5. Gang: Kalbsbraten, Selleriesalat, Katharinenpflaumen, gedämpfte Äpfel, 6. Gang: Rigaer Butt, Sardellen, Wurst, Zunge, Chester- und Rahmkäse und ein Fruchtkorb.

Das Seefahrtsbier wird extra nur für diesen Anlass gebraut. Es ist so klebrig, dass das Gerücht kursiert, man würde mit der Hose dran kleben bleiben, wenn man es auf eine Bank gießt und sich drauf setzt.

Seit 1946 findet die Schaffermahlzeit in der oberen Rathaushalle statt. 300 Gäste nehmen jedes Jahr an dem Essen teil: 100 kaufmännische Mitglieder und 100 Kapitäne und Kapitäninnen sowie 100 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Handel. Bis 2015 durften ausschließlich Männer an dem Essen teilnehmen. Es gab bis dahin nur zwei Ausnahmen: Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Kapitänin Barbara Massing. Auch heute noch spenden die Gäste am Ende Geld. Wieviel dabei gesammelt wird, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Als Schaffer wurden damals übrigens die Geldverwalter der Stiftung Haus Seefahrt genannt.

Strenge Regeln, festgelegte Reden, traditionelle Speisen und ein klarer Ablauf machen die Schaffermahlzeit zu einem Ereignis, bei dem hanseatische Werte wie Verlässlichkeit, Verantwortung und Gemeinsinn im Mittelpunkt stehen. 

Das Stiftungsfest des Ostasiatischen Vereins – Bremens Blick in die Welt

Bremen war schon immer eine Handelsstadt mit internationalem Fokus. Das zeigt sich besonders beim Stiftungsfest des Ostasiatischen Vereins (OAV).

1901 begann alles mit einer Idee: Kaufleuten und Kapitänen, die längere Zeit in Asien gelebt und gearbeitet hatten, einen Ort des Wiedersehens zu bieten. Zurück in Bremen wollten sie ihre Erinnerungen an den Fernen Osten teilen, Gleichgesinnte treffen und über ihre Erfahrungen sprechen. So wurde der Ostasiatische Verein ins Leben gerufen.

Bis heute ist der Ostasiatische Verein ein lebendiger Treffpunkt für Menschen, die sich für den Aufbau, die Pflege und die Weiterentwicklung der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Asien und Bremen engagieren. 

Zu den traditionellen Veranstaltungen des Vereins gehören unter anderem das Stiftungsfest und zweimal im Winterhalbjahr ein gemeinsames Curryessen.

Das jährliche Stiftungsfest ist eine Mischung aus Festakt, Netzwerkveranstaltung und Traditionspflege. Hier treffen sich Vertreter_innen aus Wirtschaft, Diplomatie, Politik und Kultur, ganz im Sinne Bremens als weltoffene Hafen- und Handelsstadt. Es findet immer am letzten Freitag im Februar statt, seit 1951 auch in der Oberen Rathaushalle des Bremer Rathauses. Der Brauch steht exemplarisch auch für Bremens internationale Vernetzung und den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Fazit: Traditionen mit Charakter

Bremens Bräuche sind mehr als Folklore. Sie verbinden Vergangenheit und Gegenwart, Ernsthaftigkeit und Humor, Lokalpatriotismus und Weltoffenheit. Genau diese Mischung macht sie so typisch bremisch. Und wer Bremen verstehen will, sollte nicht nur die Stadt sehen – sondern auch ihre Traditionen kennen. 

Ihr möchtet noch mehr über die Stadt erfahren? Dann geht doch gerne einfach mal bei einer unserer Führungen mit. Wir freuen uns auf euch!